Vortrag in Mauer: Migration, Hunneninvasion und deformierte Frauenschädel

13. Februar 2019
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Neue Erkenntnisse der Paläogenomik zum Frühmittelalter Süddeutschlands.

Es referiert Prof. Joachim Burger, Institut für Anthropologie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Spätantike und beginnendes Frühmittelalter gelten als Epochen, während derer die Zusammensetzung der Bevölkerung Mitteleuropas letztmalig durch Migrationen im großen Stil verändert wurde. Jeder kennt die historischen Karten aus dem Schulunterricht, auf denen vermeintlichen Wanderungsrouten von Volksgruppen wie den Goten, Franken oder Vandalen durch Pfeile veranschaulicht werden. Neueste archäologische Theorien stellen das bislang vermutete Ausmaß von Migration während der "Völkerwanderungszeit" jedoch in Frage. Aus populationsgenetischer Sicht ist es zudem sehr unwahrscheinlich, dass Stämme - wie die Franken oder die Goten - echte Abstammungsgemeinschaften darstellen. Nach über hundert Jahren Forschung liegen die bevölkerungsbiologischen Hintergründe dieser ansonsten archäologisch gut dokumentierten Epoche zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert immer noch im Dunklen.

In den letzten Jahren haben paläogenetische Untersuchungen prähistorischer Skelette völlig neue Erkenntnisse über die Vorzeit Europas zu Tage gebracht. Mittlerweile gibt es auch die ersten genomischen Arbeiten zur Völkerwanderungszeit beziehungsweise dem frühen Mittelalter.

Der Vortrag erläutert diese ersten Analysen und kommt zu dem Ergebnis, dass Migration und Mobilität im Frühmittelalter Süddeutschlands und Nord-Italiens durchaus eine Rolle spielte, wenn auch völlig anders als erwartet. Im Zentrum stehen exotische Frauen mit deformierten Schädeln aus Bayern.

 

 

Infos:

Start
13. Februar 2019
19.30 Uhr
Ende
21.00 Uhr
Veranstalter
Verein Homo heidelbergensis von Mauer e.V.
Ort
Heid'sches Haus, Bahnhofstraße 4, 69256 Mauer