Vorträge

Vortragsreihe "Land der Kelten: Baden-Württemberg"

Die 2019 auf Landesebene vorgestellte kulturpolitische Konzeption Baden-Württemberg und seine Kelten hat zum Ziel, die historische Bedeutung dieser Kulturepoche an besonderen Fundstätten und Museen im Land sichtbar und erfahrbar zu machen. Das Land an Rhein und Neckar bietet den Menschen seit jeher günstige Siedlungsvoraussetzungen. Neben den fruchtbaren Böden sind es die in alle Himmelsrichtungen führenden Wasserwege, die schon früh in der Geschichte Fernhandelskontakte möglich machten. Ein Höhepunkt dieser Entwicklung wird zur Zeit der Kelten erreicht.

Die Vorträge werden vom Förderkreis Archäologie in Baden e. V. in Kooperation mit dem Kurpfälzischen Museum Heidelberg angeboten.

Die Veranstaltungen finden mittwochs, 19.00 Uhr, als Online-Vorträge über Zoom statt. Zugangsdaten erhalten Sie nach Anmeldung zur Vortragsreihe unter info@foerderkreis-archaeologie.de jeweils am Tag des Vortrags, zusammen mit einer Kurzanleitung für Zoom.

 

Der späthallstattzeitliche „Heidenbühl“ bei Allensbach-Kaltbrunn
(Foto: Kreisarchäologie Landratsamt Konstanz, J. Hald)

 

 

25.08.2021: "Archäozoologie: Knochenfunde geben Einblick in die keltische Viehwirtschaft"

Vortrag von Dr. Simon Trixl (Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg)

Haustiere waren für die Menschen der Eisenzeit unverzichtbar: Neben überlebenswichtigen Nahrungsmitteln wie Fleisch und Milch lieferten sie Rohstoffe für zahlreiche Handwerkszweige und spielten dank ihrer Arbeitskraft auch in Ackerbau und Transportwesen eine zentrale Rolle. Die Bedeutung der Tiere für die Kelten können wir vor allem mithilfe der archäozoologischen Untersuchung von Tierknochen nachvollziehen, wie sie in mitunter großer Zahl bei der Ausgrabung vor- und frühgeschichtlicher Siedlungsareale zutage kommen. Der Vortrag gibt Einblick, mit welchen Methoden die Archäozoologie den Knochen Informationen abgewinnt und welche Rückschlüsse wir so auf die Viehwirtschaft der Kelten im heutigen Südwestdeutschland ziehen können. Neben ihrer ökonomischen Funktion waren Tiere darüber hinaus auch ein zentraler Bestandteil eisenzeitlicher Bestattungs- und Deponierungssitten, wie ebenfalls anhand archäozoologischer Ergebnisse demonstriert werden wird.

Skelette von drei Ferkeln aus einer eisenzeitlichen Grube bei Anselfingen
(© S. Trixl nach Foto von J. Ehrle/J. Hald/A. Bräuning, LAD)

 

01.09.2021: "Tarodunum – spätkeltische Großsiedlung und Befestigung östlich von Freiburg i. Br."

Vortrag von Dr. Heiko Wagner (Kirchzarten)

Im Dreisamtal wenige Kilometer östlich von Freiburg i. Br. kennt man seit dem 19. Jh. eine riesige Wallanlage. Sie wurde als „Oppidum“ angesprochen; nach den Grabungsergebnissen von 1987 blieb sie allerdings in der Spätlatènezeit unvollendet – die größte Bauruine Baden-Württembergs (bisher).
Ebenfalls im Jahre 1987 wurde etwa 1 km westlich davon eine unbefestigte Großsiedlung entdeckt. Geländebegehungen und später einige Sondagen erbrachten zahlreiches Fundmaterial; es gehört in die Mittel- und Spätlatènezeit (hier: ca. 150–90/80 v. Chr.). Verschiedene Handwerke (Glas, Metallverarbeitung, Keramikproduktion ...) blühten, und der Fernhandel reichte bis nach Mittelitalien. Tarodunum war wohl der Zentralort eines keltischen Stammes oder Teilstammes. Schon vor Jahrzehnten wurden mehrere Hektar durch geophysikalische Untersuchungen erfasst, die aber nicht im einzelnen ausgewertet sind. Die Siedlung endete wie alle anderen Großsiedlungen und Befestigungen östlich des Rheins im frühen 1. Jh. v. Chr. – die Gründe dafür sind weitgehend unbekannt.

Tarodunum, Wall auf Ostseite
(Foto: H. Wagner, Kirchzarten)

 

 

06.10.2021: "Keltenland Baden-Württemberg: Die Keltenkonzeption des Landes"

Vortrag von Andreas Schüle (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg)

 

 

© Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

 

 

Bereits stattgefunden hat:

28.07.2021: "Die Eisenzeit im Hegau – ein Überblick und neue Grabungsergebnisse"

Vortrag von Dr. Jürgen Hald (Kreisarchäologie Konstanz)

Der Landkreis Konstanz gehört zu den fundreichsten Altsiedellandschaften in Baden-Württemberg. Auch die Kelten haben dort zahlreiche Spuren hinterlassen. In seinem reich bebilderten Vortrag gibt Kreisarchäologe Dr. Jürgen Hald einen Überblick zu den zahlreichen frühkeltischen Grabfunden im Hegau, zu denen beispielsweise der „Heidenbühl“ bei Allensbach-Kaltbrunn zählt. Zudem werden auch neuere Ausgrabungen an eisenzeitlichen Fundstellen im Landkreis Konstanz vorgestellt. Hierzu gehören neben einer großen eisenzeitlichen Siedlung bei Anselfingen und Welschingen auch interessante Neufunde wie eine frühkeltische „Straße“ bei Hilzingen oder gut erhaltene Grabfunde, die bei Rettungsgrabungen in Neubaugebieten und bei Straßenbauprojekten in den letzten Jahren zutage gekommen sind.

Späthallstattzeitlicher Bronzekessel aus einem Grabhügel
bei Engen-Bargen (Foto: B. Wiesenfarth, LAD)

 

07.07.2021: "Was gehen uns die Kelten an?"

Vortrag von Prof. Dr. Christoph Huth (Urgeschichtliche Archäologie der Universität Freiburg)

Haben Menschen, die vor mehr als 2000 Jahren hierzulande lebten, für uns irgendeine Bedeutung? Welche Spuren haben sie hinterlassen und was ist davon heute noch sichtbar? Und was, wenn überhaupt, lässt sich aus der Beschäftigung mit „den Kelten“ lernen? Sind sie für uns interessant, weil sie so ganz anders waren, oder haben wir irgendwelche Gemeinsamkeiten mit ihnen? Und wer genau sind die Kelten eigentlich? Der Vortrag bietet eine kleine Orientierungshilfe im Umgang mit dem archäologischen Erbe der letzten fünf Jahrhunderte vor Christi Geburt.

 

Gürtelkette aus Giengen an der Brenz, Kreis Heidenheim
(Foto: Landesmuseum Württemberg, P. Frankenstein/H. Zwietasch)

 

16.06.2021: "Die Geschichte der Kelten in Südwestdeutschland im Spiegel aktueller Forschungen"

Vortrag von Prof. Dr. Dirk Krausse (Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg)

Keltische Kultur wird heute zumeist mit dem atlantischen Nordwesteuropa, mit Irland, Schottland oder der Bretagne assoziiert. Keltische Gesellschaften und Sprachen waren aber in der Antike zeitweilig über einen riesigen Raum, von Anatolien im Südosten bis auf die Iberische Halbinsel im Westen, verbreitet. Die Suche nach den Ursprüngen der Kelten führt vor allem auch nach Südwestdeutschland. Der Vortrag vermittelt einen Überblick über die Geschichte der Kelten im heutigen Baden-Württemberg von den Anfängen in der Hallstattzeit mit ihren bedeutenden Machtzentren an Rhein, Neckar und Donau, über die unruhige Zeit der keltischen Wanderungen im 4./3. Jh. v. Chr. und die Entstehung der spätkeltischen Oppidazivilisation bis hin zum Ende der keltischen Epoche durch die germanischen und römischen Expansionen im 1. Jh. v. Chr. Am Beispiel der wichtigsten archäologischen Fundstätten und gestützt auf aktuelle Ausgrabungen und Forschungen entwirft er ein Gesamtbild dieser faszinierenden Epoche mit ihren herausragenden Funden und Monumenten, die unsere Landschaften vielerorts bis heute prägen.

Rekonstruktion Alte Burg
(© LAD, Samson Goetze)

 

Bereits stattgefunden hat:

Online-Vortrag "Archäologischer Befund und digitale Rekonstruktion von Burgen. Fallbeispiele aus dem Breisgau"

Die Denkmalvermittlung ist ein zentrales Anliegen der Denkmalpflege. Je fragmentarischer ein Kulturdenkmal erhalten ist, desto schwerer ist es interessierten Laien ein Bild des ursprünglichen Aussehens einer Anlage zu vermitteln. In besonderem Maße trifft dies auf mittelalterliche Burgen zu. An Fallbeispielen aus dem Breisgau versuchen die Referenten Dr. Bertram Jenisch (Mittelalterarchäologe, LAD) und Hans-Jürgen van Akkeren (Ehrenamtlich Beauftragter der Denkmalpflege) diesen Weg vom Bodendenkmal zur Rekonstruktion darzustellen. Exemplarisch werden dabei die Reste auf dem Freiburger Schlossberg (vgl. Rekonstruktion) und die Burgruine Kürnberg im Tal des Bleichbachs (Luftbild) betrachtet.

Der Vortrag wurde am Donnerstag, 22. April 2021, um 19:00 Uhr vom Förderkreis Archäologie in Baden in Zusammenarbeit mit dem Kurpfälzer Kreis der Deutschen Burgenvereinigung und dem Kurpfälzischen Museum Heidelberg als Zoom-Meeting angeboten.

 

 

Burgruine Kürnberg (Foto: LAD Freiburg)

Vortragsreihe 2021/2022 des Mannheimer Altertumsvereins von 1859

Die Vorträge finden in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim statt, beginnen jeweils um 19 Uhr und sind kostenfrei.

Den Saal entnehmen Sie bitte den Angaben zum jeweiligen Vortrag. Aufgrund der Corona-Pandemie bitten wir unbedingt um vorherige Anmeldung (mav@mannheim.de). Aktuelles unter: www.mannheimer-altertumsverein.de

30.09.2021: "Mannheim, Eiszeit und Klimawandel – der Oberrheingraben und seine Bedeutung für die Erforschung der Klimageschichte"

Vortrag von Prof. Dr. Wilfried Rosendahl (Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim)

Mannheim, Museum Weltkulturen D5, Anna-Reiß-Saal

Mannheim und die Metropolregion haben eine besondere, sowohl historische wie auch wissenschaftliche Verbindung zu den Themen Eiszeit und Klimawandel. Ausgehend von der eiszeitlichen Entstehung der Erdgeschichten unter Mannheim, über die Prägung des Begriffes „Eiszeit“ durch einen gebürtigen Mannheimer bis hin zur modernen wissenschaftlichen Erforschung der Eiszeitarchive in der Oberrheinregion um Mannheim, gibt der Vortrag einen zusammenfassenden Überblick darüber, welche Bedeutung diese Geschichten, Erkenntnisse und Aktivitäten für die Erforschung von Klima, Umwelt und Landschaftswandel haben.

 

04.11.2021: "Von Erbsen und Schweinen – Transkulturalität, Ressourcennutzung und Resilienz im wikingerzeitlichen Raum Kosel"

Vortrag von Valerie Palmowski und Dr. Tobias Schade (Eberhard Karls Universität Tübingen)

Mannheim, Museum Weltkulturen D5, Anna-Reiß-Saal

Aus archäologischer und bioarchäologischer Sicht werden zwei Perspektiven auf den ländlichen Raum Kosel nahe Haithabu, einem wichtigen wikingerzeitlichen Fernhandelszentrum, vorgestellt, die alte Forschungsergebnisse um neue Fragen und Antworten erweitern. Dabei wird insbesondere auf Thesen zur Transkulturalität in diesem Grenz- und Kontaktraum eingegangen („Erbsen“). Alte und neue Analysen zur Subsistenz („Schweine“) führen den Vortrag schließlich zum Thema Resilienz in der Wikingerzeit.

 

27.01.2022: "Eifelvulkane als Archive für Klima und Umwelt der letzten 60.000 Jahre in Mitteleuropa"

Vortrag von Prof. Dr. Frank Sirocko (Universität Mainz, Institut für Geowissenschaften)

Mannheim, Museum Zeughaus C5, Florian-Waldeck-Saal

Moderne analytische Verfahren zur Untersuchung von Sedimentkernen aus den Maaren der Eifel erlauben die Rekonstruktion von Klima, Vulkanismus, Vegetation, Tierwelt und selbst die Dokumentation der Anwesenheit des Menschen während der letzten 60.000 Jahre im Umfeld der Maarseen. Offensichtlich war das Klima über die gesamte historische und prähistorische Zeit die wichtigste Steuerungsgröße für die terrestrischen Ökosysteme. Die im Rahmen der Erderwärmung zu erwartenden Veränderungen in der hydrographischen Struktur des Nordatlantik stellen damit sicherlich die größte Bedrohung für das Klima und die Umwelt Mitteleuropas dar.