Vorträge

Bereits stattgefunden hat:

Online-Vortragsreihe: „1300 Jahre Archäologie und Geschichte der Reichenau”

Die Insel Reichenau feiert 2024 die Gründung des Klosters Reichenau im Jahr 724.
Unsere Jahresexkursion (30.5.–2.6.) führt zu diesem Jubiläum auf die Klosterinsel. Begleitend dazu stimmten fünf Vorträge auf die Thematik ein.

Einzelne der Online-Vorträge werden wir in den nächsten Wochen veröffentlichen. Wenn Sie sich für unseren Newsletter anmelden, werden Sie darüber zeitnah informiert.

31. Januar
"Archäologische Erforschungen der Klosterinsel Reichenau" mit Dr. Bertram Jenisch (LAD)

Dokumentationsarbeiten an der unter Wasser konservierten mittelalterlichen Pfahlreihe vor der Reichenau. (Foto: LAD, M. Mainberger)

22. Februar (Donnerstag!)
"Denkmale am Seegrund" mit Dr. Julia Goldhammer (LAD)

Luftbild der Insel Reichenau von Norden. (Foto: LAD, M. Steen)

27. März
"Die Burgruine Schopflen auf der Insel Reichenau – Geschichte und Baugeschichte" mit Dr. Dr.-Ing. Thomas Biller (Büro f. Baugeschichte und -forschung, Freiburg), Prof. Dr. Harald  Derschka (Fb. Geschichte u. Soziologie, Uni Konstanz) und Dr. Bertram Jenisch (LAD)

Luftbild der Burgruine Schopflen an der Ostspitze der Insel Reichenau. (Foto: LAD, O. Braasch)

24. April
"Bauen wie im Mittelalter. Campus Galli und das Spannungsfeld zwischen Museum, Baustelle und experimenteller Archäologie" mit Dr. Hannes Napierala (Campus Galli, Verein „karolingische Klosterstadt e. V.“)

Auf der Baustelle des Campus Galli. (Foto: H. Napierala, Verein Karolingische Klosterstadt e.V.)

22. Mai
"St. Galler Klosterplan" mit Prof. Dr. Tino Licht (Historisches Seminar der Universität Heidelberg)

Der St. Galler Klosterplan. (Foto: https://www.campus-galli.de/klosterplan)

"Archäologische Vorträge im Schloss 2023/24"

Veranstaltet vom Badischen Landesmuseum Karlsruhe und dem Förderkreis Archäologie in Baden e. V., im Gartensaal des Karlsruher Schlosses.

Donnerstag 16.11.2023
"Neues zu den frühen Kelten – Die eisenzeitlichen Sammlungen des Landesmuseums Württemberg im Lichte aktueller Forschungen"
Thomas Hoppe M.A., Landesmuseum Württemberg

Das Landesmuseum Württemberg blickt auf eine über 140jährige Forschungs- und Ausstellungstradition zu den frühen Kelten im Land zurück. Seine Sammlungen bergen mit den außergewöhnlichen Funden von der „Heuneburg“, der beeindruckenden Statue des „Kriegers“ von Hirschlanden sowie den einzigartigen Ensembles aus den Prunkgräbern von Eberdingen-Hochdorf und aus dem „Kleinaspergle“ Schlüsselfunde der mitteleuropäischen Eisenzeit. Thomas Hoppe, Referatsleiter am Landesmuseum Württemberg, präsentiert in seinem Vortrag neue, erstaunliche und richtungsweisende Forschungsergebnisse der letzten Jahre.

Funde aus dem hallstattzeitlichen Prunkgrab von Eberdingen Hochdorf (© Landesmuseum Württemberg, Foto P. Falkenstein/H. Zwietasch)

Donnerstag 22.02.2024
"Archäologische Fundstätten in der Kulturlandschaft von heute – Denkmalpflege in Wald und Flur"
Dr. Inga Kretschmer, Landesamt für Denkmalpflege

Das Land Baden-Württemberg weist ein äußerst reiches archäologisches Erbe auf. Abseits von den Fundstätten in bereits bebauten oder überplanten Flächen, die häufig durch Ausgrabungen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, liegen archäologische Kulturdenkmäler zumeist in land- und forstwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten. Der Vortrag erläutert diesen wichtigen und vielfältigen Aspekt der Denkmalpflege, der sich mit der Gefährdung, dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung unseres wertvollen Archivs menschlicher Geschichte im Boden der Kulturlandschaft von heute beschäftigt.

Überpflügte keltische Grabhügel und Grabkammern bei Karlsruhe-Neureut vor der Extensivierung der Ackerfläche (© O. Braasch, LAD im Regierungspräsidium Stuttgart)

Donnerstag 14.03.2024
"Mein Nachbar der Germane – oder: Wie Neckarsueben zu Römern wurden"
Dr. Sven Jäger, Landesamt für Denkmalpflege

Wie war das Leben im 1. Jahrhundert nach Christus in den Siedlungen entlang der römischen Rheingrenze? Schon nach diesem Satz ist man direkt geneigt über den Alltag in bekannten römischen Siedlungen und Kastellen nachzudenken, wie Worms, Speyer oder Mainz. Logisch, denn am Oberrhein trafen, folgt man der klassischen Erzählung, die Römer Anfang des 1. Jahrhunderts auf eine Einöde, die eine Folge Caesars Feldzüge war.

Doch war es wirklich leer, auch wenn es schwer vorstellbar ist? Eine von vielen Fragen, der man sich gegenübersieht, wenn man sich mit der Besiedlung des 1. bis 3. Jahrhunderts nach Christus im Neckarmündungsgebiet rund um Mannheim beschäftigt. Die Fragen kreisen dabei besonders um die sogenannten Neckarsueben, die in der Region im 1. Jahrhundert siedelten und deren Name, obwohl sie als Germanen anzusprechen sind, herhielt, als Rom Ende des 1. Jahrhunderts einen Regionalbezirk mit Hauptsitz im modernen Ladenburg gründeten. Wie geht dies nun zusammen? Germanen, die Römer werden? Naheliegend, war es doch überall so, mag man meinen…

Collage prominenter Fundobjekte aus der römisch-germanischen Siedlung von Heddesheim, darunter ein Terrakottakopf, ein Körbchenanhänger und eine sog. Pferdchenfibel (Foto u. Collage S. Jäger, © REM Mannheim)

Donnerstag 18.04.2024
"Im Westen viel Neues! Aktuelle Forschungen zur Michelsberger Kultur und ihrer Rolle in der europäischen Jungsteinzeit"
Prof. Dr. Detlef Gronenborn, LEIZA Mainz

Die nach dem Michaelsberg bei Bruchsal-Untergrombach benannte Michelsberger Kultur entstand um 4300 BCE im östlichen Pariser Becken unter Einflüssen aus dem französischen Süden und breitet sich von dort aus relativ schnell, um 4200 BCE, nach Osten aus.

Im Vortrag werden die neuesten Ergebnisse zur Erforschung dieser Kultur im europäischen Raum dargelegt, im Vordergrund steht das nördliche Oberrheingebiet und der oberflächlich sehr gut erhaltene Fundplatz Kapellenberg bei Hofheim im Rhein-Main-Gebiet mit einem eindrucksvollen mutmaßlichen Grabmonument in westeuropäischer Tradition sowie erhaltenen Wallanlagen.

Rekonstruktion der Michelsberger Höhensiedlung Kapellenberg bei Hofheim/Ts. im frühherbstlichen Morgenlicht, um 3750 BCE (© Magistrat der Stadt Hofheim, Architektura Virtualis, LEIZA)

 

"Geschichtliche Entwicklung der Archäologischen Denkmalpflege in Mannheim 1945 bis 2003"

Vortrag von Dr. Klaus Wirth, rem

Ort: Museum Zeughaus C5, Florian-Waldeck-Saal (68159 Mannheim)

Die Bombardements zwischen 1943 und 1945 trafen das Schloss und das Zeughaus. Sie verursachten schwere Schäden an den Dächern und im Inneren der Gebäude. Große Teile der Sammlungsbestände wurden unwiederbringlich zerstört, wenngleich es trotz politischer Widerstände gelang, Sammlungsteile nach Heilbronn, Baden-Baden, Gemmingen, Menzingen und Seligental auszulagern. Der Mannheimer Gemeinderat beschloss 1953 die Nutzung des Zeughauses zu Museumszwecken. 1957 wurde das Reiß-Museum eröffnet. Mit Dr. Erich Gropengießer als wissenschaftlicher Assistent für museale und archäologische Aufgaben begann eine Zeit intensiver Bodenforschung. Am 1. Januar 1972 trat das Denkmalschutzgesetz für Baden-Württemberg in Kraft. Die organisatorische Neugliederung führte zur Bildung des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg in Stuttgart mit Außenstellen in Freiburg, Karlsruhe und Tübingen. 1973 erfolgte die Kreisreform. Ortschaften des Landkreises Mannheim, die archäologisch bislang Archäologen des Reiß-Museums betreuten, wurden in den Rhein-Neckar-Kreis eingegliedert. Dies führte zu einer erheblichen Einschränkung des Aktivitätsradius der Archäologischen Abteilung in Mannheim. Dr. Erich Gropengießer wurde 1974 zum Direktor des Reiß-Museums ernannt. Die Aufgaben der Denkmalpflege lagen nun in den Händen wissenschaftlicher Mitarbeiter. 1990 wurde Dr. Alfried Wieczorek wissenschaftlicher Mitarbeiter der archäologischen Abteilung. Er übergab 1999, nachdem er Direktor des Reiß-Museums geworden war, die Leitung der archäologischen Abteilung in die Hände der Frühmittelalterarchäologin Dr. Ursula Koch. Sie leitete diese Abteilung bis 2003.

Der Vortrag fand in Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Archäologie in Baden e. V. statt.

 

"Geschichte der Archäologischen Denkmalpflege in Mannheim 1749 bis 1945"

Vortrag von Dr. Klaus Wirth (rem) am

Kurfürst Karl (Carl) Philipp Theodor (1724–1799) ließ die Kurpfälzer im Jahr 1749 durch ein „Rescript“ wissen, dass alle „antiquitäten und andere monumenta“ im Mannheimer Schloss abzugeben seien. Wir betrachten die Ausstellung dieses allerhöchsten Bescheids als den Beginn einer Archäologischen Denkmalpflege in der Kurpfalz. Gleichzeitig bildeten diese Funde den Grundstock für die damals im Aufbau befindliche Archäologische Sammlung. Mit der Gründung der Kurpfälzischen Akademie der Wissenschaften im Jahr 1763 begannen gezielt Ausgrabungen an historisch bekannten Orten. Ein weiterer Meilenstein für Sammeltätigkeiten und die Durchführung archäologischer Untersuchungen war die Gründung des Mannheimer Altertumsvereins durch Johann Philipp Zeller (1824–1862). Und spätestens mit der Vereinigung und Präsentation der Sammlungen des Altertumsvereins mit dem Großherzoglichen Antiquarium in zwölf Räumen des Ostflügels im Mannheimer Schloss (1879–1882) fanden die unzähligen Funde eine sichere Heimat, die jedoch ab 1943 weitgehend vollständig zerstört wurde.

Der Vortrag fand in Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Archäologie in Baden e. V. im Museum Zeughaus C5, Florian-Waldeck-Saal (Mannheim) statt.

 

Vortragsreihe "Krieg und Frieden: Konfliktarchäologie an Rhein und Neckar"

Den Vortrag vom 8. Juni 2022 "Von Dieben, Räubern und Wegelagerern: (Alltags-)Kriminalität im Römischen Reich" von Prof. Dr. Christian Witschel und den Vortrag vom 3. August 2022 "Denkmäler der Unkultur: Bunker und Bomben in Südbaden" von Dr. Bertram Jenisch können Sie auf unserem YouTube-Kanal nachträglich ansehen!

Unlinger Reiter (Foto: LAD, G.Neumann)

„Krieg und Frieden“, so betitelt Leo Tolstoi sein bewegendes Sittengemälde des russischen Adels zur Zeit der Napoleonischen Kriege. Das Schicksal ganzer Generationen steht auch im Mittelpunkt der gleichnamigen Ausstellung, die in Kooperation von Kurpfälzischem Museum und Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg vom 18. September 2022 bis 29. Januar 2023 in Heidelberg zu sehen ist.

Mit ihren modernen Methoden und Fragestellungen sucht die junge archäologische Fachrichtung der Konfliktarchäologie nach Spuren jener Momente der Geschichte, an denen Frieden in bewaffnete Auseinandersetzungen und Krieg kippte. Ausgewählte Fundstücke illustrieren, wie ökologische, ökonomische und politische Wandlungsprozesse das Leben Einzelner wie auch die Existenz ganzer Zivilisationen bedrohen können. Als stumme Zeugen für Verhängnis und Vergänglichkeit erinnern sie letztlich an die Frage nach dem Sinn des Lebens.

Im Jahr 2022 jährt sich ein solcher Wendepunkt zum 400sten Mal: die große Zerstörung Heidelbergs durch bayerische Truppen zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges nach einigen Jahren höfischer Prachtentfaltung. Archäologische Funde aus den Stellungen der Angreifer und aus der belagerten Altstadt dokumentieren den Alltag in einer Zeit des Schreckens.

 

Die Online-Vorträge fanden von Mai bis September 2022 in Zusammenarbeit mit dem Kurpfälzischen Museum Heidelberg jeweils mittwochs, 19.00 Uhr, statt.

Flyer zu den Vorträgen zum Herunterladen

 

04.05.2022    

 

Dr. Jonathan Scheschkewitz (Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg)

Konfliktarchäologie an Rhein und Neckar

18.05.2022

 

Dr. Leif Hansen (Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg)

Kriegereliten? Reiten, Fahren und Bewaffnung bei den Kelten

08.06.2022

 

Prof. Dr. Christian Witschel (Alte Geschichte der Universität Heidelberg)

Von Dieben, Räubern und Wegelagerern: (Alltags-)Kriminalität im Römischen Reich

06.07.2022

 

Prof. Dr. Jörg Peltzer (Vergleichende Landesgeschichte Universität Heidelberg)

Vom Kampf auf Leben und Tod zur triumphalen Prozession. Pfalzgraf Friedrich der Siegreiche, die Schlacht von Seckenheim (1462) und ihre Erinnerung

03.08.2022

 

Dr. Bertram Jenisch (Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg)

Denkmäler der Unkultur: Bunker und Bomben in Südbaden

14.09.2022

 

Dr. Tobias Schöneweis (Kurpfälzisches Museum Heidelberg)

Die Belagerung Heidelbergs 1622 – Historisches Ereignis und archäologischer Befund

 

Online-Vortragsreihe "Land der Kelten: Baden-Württemberg"

Die 2019 auf Landesebene vorgestellte kulturpolitische Konzeption Baden-Württemberg und seine Kelten hat zum Ziel, die historische Bedeutung dieser Kulturepoche an besonderen Fundstätten und Museen im Land sichtbar und erfahrbar zu machen. Das Land an Rhein und Neckar bietet den Menschen seit jeher günstige Siedlungsvoraussetzungen. Neben den fruchtbaren Böden sind es die in alle Himmelsrichtungen führenden Wasserwege, die schon früh in der Geschichte Fernhandelskontakte möglich machten. Ein Höhepunkt dieser Entwicklung wird zur Zeit der Kelten erreicht.

Die Vorträge wurden vom Förderkreis Archäologie in Baden e. V. in Kooperation mit dem Kurpfälzischen Museum Heidelberg angeboten und fanden jeweils mittwochs um 19:00 Uhr statt.

 

Der späthallstattzeitliche „Heidenbühl“ bei Allensbach-Kaltbrunn (Foto: Kreisarchäologie Landratsamt Konstanz, J. Hald)

06.10.2021: "Keltenland Baden-Württemberg: Die Keltenkonzeption des Landes"

Vortrag von Andreas Schüle (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg)

Die Zeit der Kelten hat in fast allen Teilen Baden-Württembergs sichtbare Spuren hinterlassen. Sowohl aus der Hallstatt-Zeit als auch aus der La-Tène-Zeit finden sich im Land herausragende Fundstätten wie zum Beispiel die Heuneburg bei Sigmaringen, für die das Landesamt für Denkmalpflege aktuell einen Antrag auf Anerkennung als UNESCO-Weltkulturerbe vorbereitet. Aber auch badische Fundstätten wie der Heiligenberg in Heidelberg, das Doppel-Oppidum Jestetten-Altenburg am Hochrhein oder die bedeutenden Fundorte zwischen Schwarzwald, Breisach und dem Oberrhein sind von höchster historischer Bedeutung. Die Landesregierung hat deshalb im Jahr 2019 beschlossen, eine Konzeption „Keltenland Baden-Württemberg“ zu entwickeln, die das keltische Erbe des Landes insgesamt sichtbar und erfahrbar machen soll. Fundstätten und Museen wie das Colombi-Schlössle in Freiburg, der Magdalenenberg bei Villingen-Schwenningen oder das Kurpfälzische Museum in Heidelberg sollen im Rahmen dieser Konzeption finanziell gefördert und zu modernen Erlebniswelten weiterentwickelt werden. Der zuständige Referatsleiter im Wissenschaftsministerium, Andreas Schüle, wird in einem Vortrag über die Hintergründe und den aktuellen Stand der „Keltenkonzeption“ des Landes berichten

 

 

© Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg

01.09.2021: "Tarodunum – spätkeltische Großsiedlung und Befestigung östlich von Freiburg i. Br."

Vortrag von Dr. Heiko Wagner (Kirchzarten)

Im Dreisamtal wenige Kilometer östlich von Freiburg i. Br. kennt man seit dem 19. Jh. eine riesige Wallanlage. Sie wurde als „Oppidum“ angesprochen; nach den Grabungsergebnissen von 1987 blieb sie allerdings in der Spätlatènezeit unvollendet – die größte Bauruine Baden-Württembergs (bisher).
Ebenfalls im Jahre 1987 wurde etwa 1 km westlich davon eine unbefestigte Großsiedlung entdeckt. Geländebegehungen und später einige Sondagen erbrachten zahlreiches Fundmaterial; es gehört in die Mittel- und Spätlatènezeit (hier: ca. 150–90/80 v. Chr.). Verschiedene Handwerke (Glas, Metallverarbeitung, Keramikproduktion ...) blühten, und der Fernhandel reichte bis nach Mittelitalien. Tarodunum war wohl der Zentralort eines keltischen Stammes oder Teilstammes. Schon vor Jahrzehnten wurden mehrere Hektar durch geophysikalische Untersuchungen erfasst, die aber nicht im einzelnen ausgewertet sind. Die Siedlung endete wie alle anderen Großsiedlungen und Befestigungen östlich des Rheins im frühen 1. Jh. v. Chr. – die Gründe dafür sind weitgehend unbekannt.

 

 

Tarodunum, Wall auf Ostseite (Foto: H. Wagner, Kirchzarten)

25.08.2021: "Archäozoologie: Knochenfunde geben Einblick in die keltische Viehwirtschaft"

Vortrag von Dr. Simon Trixl (Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg)

Haustiere waren für die Menschen der Eisenzeit unverzichtbar: Neben überlebenswichtigen Nahrungsmitteln wie Fleisch und Milch lieferten sie Rohstoffe für zahlreiche Handwerkszweige und spielten dank ihrer Arbeitskraft auch in Ackerbau und Transportwesen eine zentrale Rolle. Die Bedeutung der Tiere für die Kelten können wir vor allem mithilfe der archäozoologischen Untersuchung von Tierknochen nachvollziehen, wie sie in mitunter großer Zahl bei der Ausgrabung vor- und frühgeschichtlicher Siedlungsareale zutage kommen. Der Vortrag gibt Einblick, mit welchen Methoden die Archäozoologie den Knochen Informationen abgewinnt und welche Rückschlüsse wir so auf die Viehwirtschaft der Kelten im heutigen Südwestdeutschland ziehen können. Neben ihrer ökonomischen Funktion waren Tiere darüber hinaus auch ein zentraler Bestandteil eisenzeitlicher Bestattungs- und Deponierungssitten, wie ebenfalls anhand archäozoologischer Ergebnisse demonstriert werden wird.

 

 

Skelette von drei Ferkeln aus einer eisenzeitlichen Grube bei Anselfingen (© S. Trixl nach Foto von J. Ehrle/J. Hald/A. Bräuning, LAD)

28.07.2021: "Die Eisenzeit im Hegau – ein Überblick und neue Grabungsergebnisse"

Vortrag von Dr. Jürgen Hald (Kreisarchäologie Konstanz)

Der Landkreis Konstanz gehört zu den fundreichsten Altsiedellandschaften in Baden-Württemberg. Auch die Kelten haben dort zahlreiche Spuren hinterlassen. In seinem reich bebilderten Vortrag gibt Kreisarchäologe Dr. Jürgen Hald einen Überblick zu den zahlreichen frühkeltischen Grabfunden im Hegau, zu denen beispielsweise der „Heidenbühl“ bei Allensbach-Kaltbrunn zählt. Zudem werden auch neuere Ausgrabungen an eisenzeitlichen Fundstellen im Landkreis Konstanz vorgestellt. Hierzu gehören neben einer großen eisenzeitlichen Siedlung bei Anselfingen und Welschingen auch interessante Neufunde wie eine frühkeltische „Straße“ bei Hilzingen oder gut erhaltene Grabfunde, die bei Rettungsgrabungen in Neubaugebieten und bei Straßenbauprojekten in den letzten Jahren zutage gekommen sind.

 

 

Späthallstattzeitlicher Bronzekessel aus einem Grabhügel bei Engen-Bargen (Foto: B. Wiesenfarth, LAD)

07.07.2021: "Was gehen uns die Kelten an?"

Vortrag von Prof. Dr. Christoph Huth (Urgeschichtliche Archäologie der Universität Freiburg)

Haben Menschen, die vor mehr als 2000 Jahren hierzulande lebten, für uns irgendeine Bedeutung? Welche Spuren haben sie hinterlassen und was ist davon heute noch sichtbar? Und was, wenn überhaupt, lässt sich aus der Beschäftigung mit „den Kelten“ lernen? Sind sie für uns interessant, weil sie so ganz anders waren, oder haben wir irgendwelche Gemeinsamkeiten mit ihnen? Und wer genau sind die Kelten eigentlich? Der Vortrag bietet eine kleine Orientierungshilfe im Umgang mit dem archäologischen Erbe der letzten fünf Jahrhunderte vor Christi Geburt.

 

 

 

 

Gürtelkette aus Giengen an der Brenz, Kreis Heidenheim (Foto: Landesmuseum Württemberg, P. Frankenstein/H. Zwietasch)

16.06.2021: "Die Geschichte der Kelten in Südwestdeutschland im Spiegel aktueller Forschungen"

Vortrag von Prof. Dr. Dirk Krausse (Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg)

Keltische Kultur wird heute zumeist mit dem atlantischen Nordwesteuropa, mit Irland, Schottland oder der Bretagne assoziiert. Keltische Gesellschaften und Sprachen waren aber in der Antike zeitweilig über einen riesigen Raum, von Anatolien im Südosten bis auf die Iberische Halbinsel im Westen, verbreitet. Die Suche nach den Ursprüngen der Kelten führt vor allem auch nach Südwestdeutschland. Der Vortrag vermittelt einen Überblick über die Geschichte der Kelten im heutigen Baden-Württemberg von den Anfängen in der Hallstattzeit mit ihren bedeutenden Machtzentren an Rhein, Neckar und Donau, über die unruhige Zeit der keltischen Wanderungen im 4./3. Jh. v. Chr. und die Entstehung der spätkeltischen Oppidazivilisation bis hin zum Ende der keltischen Epoche durch die germanischen und römischen Expansionen im 1. Jh. v. Chr. Am Beispiel der wichtigsten archäologischen Fundstätten und gestützt auf aktuelle Ausgrabungen und Forschungen entwirft er ein Gesamtbild dieser faszinierenden Epoche mit ihren herausragenden Funden und Monumenten, die unsere Landschaften vielerorts bis heute prägen.

 

 

Rekonstruktion Alte Burg (© LAD, Samson Goetze)

Online-Vortrag "Archäologischer Befund und digitale Rekonstruktion von Burgen. Fallbeispiele aus dem Breisgau"

Die Denkmalvermittlung ist ein zentrales Anliegen der Denkmalpflege. Je fragmentarischer ein Kulturdenkmal erhalten ist, desto schwerer ist es interessierten Laien ein Bild des ursprünglichen Aussehens einer Anlage zu vermitteln. In besonderem Maße trifft dies auf mittelalterliche Burgen zu. An Fallbeispielen aus dem Breisgau versuchen die Referenten Dr. Bertram Jenisch (Mittelalterarchäologe, LAD) und Hans-Jürgen van Akkeren (Ehrenamtlich Beauftragter der Denkmalpflege) diesen Weg vom Bodendenkmal zur Rekonstruktion darzustellen. Exemplarisch werden dabei die Reste auf dem Freiburger Schlossberg (vgl. Rekonstruktion) und die Burgruine Kürnberg im Tal des Bleichbachs (Luftbild) betrachtet.

Der Vortrag wurde am Donnerstag, 22. April 2021, um 19:00 Uhr vom Förderkreis Archäologie in Baden in Zusammenarbeit mit dem Kurpfälzer Kreis der Deutschen Burgenvereinigung und dem Kurpfälzischen Museum Heidelberg als Zoom-Meeting angeboten.

 

 

Burgruine Kürnberg (Foto: LAD Freiburg)