Auf den Spuren einer verschwundenen Burg

Am 24. Juni 1386 erhielt Kurfürst Ruprecht I. die Genehmigung des Papstes Urban VI., in Heidelberg eine Universität zu gründen. Doch empfing er sie nicht in der Neckarstadt, sondern gut 20 Kilometer entfernt in der Burg Wersau, dem Sitz eines Geschlechts aus dem niederen Adel. 1286 erstmals in einer Schenkungsurkunde erwähnt avancierte sie zu einer der bedeutendsten Festungen zwischen Heidelberg und Speyer. In den Kriegen des 17. Jahrhunderts stark zerstört, wurde sie bald darauf bis auf die Mühlengebäude in der Vorburg abgetragen. 2007 erwarb die Gemeinde Reilingen das Gelände und beauftragte eine geophysikalische Erkundung. Ohne einen Spatenstich wurden so Strukturen entdeckt, die sich in Lageplänen aus dem Jahr 1690 wiederfinden ließen. Seit 2010 erforschen Landesdenkmalpflege, Universität Heidelberg sowie ehrenamtliche Helfer vom Arbeitskreis Burg Wersau die Anlage archäologisch. Insbesondere im Bereich der Vorburg kamen zahlreiche Mauerzüge zutage, einige davon mit einer hölzernen Unterkonstruktion. Dendrochronologie und Keramikfunde passen zu einem Baubeginn im frühen 13. Jahrhundert. Offenbar wurde die Burg aber bis zu ihrem Ende immer wieder umgebaut. Führungen durch das Grabungsgelände bietet der Arbeitskreis an, der Förderverein Burg Wersau e. V. unterhält ein digitales Museum.

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